PLOP-Köppe

Heike Anacker entdeckte als Kind die neunte Kunst als Ausdrucksmittel und bald darauf die alternative Fanzine-Szene. „Irgendwie hatte ich die Vorstellung, dass ich die Idee, Comics sind Kunst, unter die Leute bringen muss.“ – Mit 17 Jahren gründete sie PLOP und publizierte zwischen 1981-1988 insgesamt 27 Ausgaben.
Gleich zu Beginn wies das Heft einen wichtigen Unterschied zu anderen Fanzines auf: Während andere Magazine meist stark von den Vorlieben ihres Herausgebers oder einer Zeichner-Clique geprägt waren, verstand Heike sich als Anregerin und Organisatorin.
In jeder Ausgabe fand sich ein umfangreicher Leserbriefteil, in dem sich die Schreiber kritisch mit den Beiträgen der vorausgegangenen Ausgabe auseinandersetzten, neben Comicbeiträgen erschienen Rezensionen und Berichte. Die Leser hatten viele Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen.

Parallel dazu brachte Heike als Mitherausgeberin 1984 und 1987 jeweils einen AC READER heraus – zwei 100 Seiten starke Bände der Amateur-Comic-Szene rund um PLOP wider den „professionellen Unfug“.
Als Reaktion auf die männliche Dominanz auch in der unabhängigen Zeichnerszene erschien 1986 exklusiv aus der Feder von Künstlerinnen eine „Women-only-PLOP“-Ausgabe (in die sich Matthias Dinter unter dem Pseudonym EmDe hineinschmuggelte). Und dass Comic-Fanzines nicht nur für zeichnerische Neuentdeckungen gut sind, demonstrierte Heike 1987 in ihrem gleichnamigen Coming Out (#23).
1988 verabschiedete sie sich mit Ausgabe #27 von PLOP, bereichert die Comic-Subkultur aber weiterhin mit selbstverlegten Heften, u. a. ihren vom ICOM Independent Comic preisgekrönten Läspen Comics.

Heikes letzter Ausgabe lag ein einzelnes Blatt des Fanzine-Machers Andreas Anger bei, der sich für das Fortbestehen des Heftes einsetzte: „Mein Aufruf: PLOP darf nicht sterben! Aus diesem Grund werde ich kurzzeitig die Herausgabe übernehmen.“  
– 1989 erschien Ausgabe 28.

Im Fanzine Comic-Archiv las der Schüler Bernhard Bollen eine Besprechung zu PLOP. Neugierig geworden bestellte er bei Andreas ein Probeheft. Er hatte geplant, selbst ein Zine zu gründen; nach einem kurzen Briefwechsel übernahm er stattdessen PLOP.

Bernhard krempelte das Magazin nach eigenen Vorstellungen um: „Ich will ’n bisschen Action, Intrigen & Gewalt ins Heft bringen.“ Die Reaktionen der Leser beschrieb er später so: „20 Prozent haben sich amüsiert, 60 Prozent hatten keine Meinung, und 20 Prozent fühlten sich verarscht.“ Aber er stürzte sich mit Elan in die Arbeit.
1990 besuchte er auf einer Rundreise PLOP-Mitarbeiter und andere Szene-Größen und drehte darüber einen Videofilm. Hinterher nannte er das vergangene Jahr „privat wie hobbymäßig dat schönste“.
1992 organisierte Bernhard eine gut besuchte PLOP-Party im Partykeller seines Hauses. Viele Mitarbeiter lernten sich dort erstmals persönlich kennen. Wegen des Erfolgs wurde für 1993 gleich eine zweite Party anvisiert – diese gestaltete zugleich seinen (vorläufigen) Abschied von PLOP.

Auf der Abschiedsparty wurde der langjährige PLOP-Mitarbeiter Andreas Alt als Nachfolger verpflichtet. In seiner ersten Ausgabe schrieb er: „Ich kenne PLOP aus Heike Anackers Pioniertagen und hätte es am liebsten, wenn wieder jene sympathische Geist der Anfangszeit die Seiten durchwehen würde.“
Neue Zeichner bemerkten die hohen Veröffentlichungschancen in PLOP und sie schätzten, dass sie fast immer ein Feedback von den Lesern und vom Herausgeber erhielten. Die Abonnenten kamen inzwischen nicht nur aus Deutschland, sondern auch anderen Weltgegenden (z. B. Großbritannien, Kroatien, Frankreich, USA, Kanada, Brasilien).

2007 gab Andreas Alt, im wirklichen Leben freier Journalist in Augsburg, das kultige Heftchen aus gesundheitlichen Gründen ab und verabschiedete sich mit Ausgabe #79 als bisher langjährigster Herausgeber. Beim Jubiläumsheft zum 30jährigen Bestehen führte er 2011 noch einmal die Regie.

Anfang 2008 übergab Andreas Alt die PLOP-Herausgabe an Melchior Condoi.  
Der erst 15jährige Schüler machte sich mit großem Elan ans Werk: Der Umfang der Ausgaben wuchs auf 80 Seiten und das Heft erhielt erstmals ein Farbcover!
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2011 verabschiedete sich Melchior von PLOP – und mit Ausgabe #86 übernahm der alte und neue Herausgeber Bernhard Bollen wieder das Ruder auf ungewisser See …